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Was passiert wirklich, wenn die Rente schrumpft: Meine Kalkulation

Michael Lehmann 5 Min Lesezeit

"Die Rente ist sicher" – dieser Satz hat einen bitteren Nachgeschmack bekommen. Aber zwischen Panikmache und Ignoranz liegt die Wahrheit. Ich habe drei Monate damit verbracht, echte Daten zu analysieren. Hier ist, was dabei herauskam.

Schritt 1: Verstehe die realen Zahlengrundlagen

Das Rentenniveau sinkt von aktuell 48% auf voraussichtlich 43% bis 2030. Das bedeutet nicht, dass deine Rente um 5% sinkt. Es bedeutet, dass die Standardrente im Verhältnis zum durchschnittlichen Einkommen fällt.

Konkret: Bei 3.000 Euro Bruttoeinkommen und 45 Beitragsjahren bekommst du heute etwa 1.440 Euro Rente. 2030 wären es bei gleichem Einkommen nur noch 1.290 Euro. Real, inflation adjusted – wahrscheinlich noch weniger.

Schritt 2: Berechne deine persönliche Lücke

Ich habe meine aktuellen Ausgaben analysiert und auf das Rentenalter hochgerechnet. Keine Kredite mehr, keine Kinder zu finanzieren, kleinere Wohnung möglich. Meine Ausgaben fallen von 2.400 Euro auf voraussichtlich 1.800 Euro.

Erwartete Rente laut aktueller Hochrechnung: 1.350 Euro. Lücke: 450 Euro monatlich. Über 20 Jahre Rentenbezug sind das 108.000 Euro. Diese Zahl muss ich bis zur Rente aufbauen.

Schritt 3: Die 4%-Entnahmeregel im Detail

Um 450 Euro monatlich (5.400 Euro jährlich) zu entnehmen, brauche ich bei 4% Entnahmerate ein Kapital von 135.000 Euro. Das ist die Faustregel, die auf der Trinity-Studie basiert.

Aber: Diese Studie basiert auf 30 Jahren Entnahme und US-Marktdaten. Für Deutschland und möglicherweise 35 Jahre Ruhestand solltest du eher mit 3,5% rechnen. Das erhöht mein Zielkapital auf 154.000 Euro.

Schritt 4: Arbeite rückwärts zum Sparplan

154.000 Euro in 28 Jahren (ich bin jetzt 37). Bei 7% durchschnittlicher Rendite im ETF muss ich 285 Euro monatlich sparen. Bei konservativen 5% sind es 380 Euro monatlich.

Ich habe mich für einen Mittelweg entschieden: 350 Euro in globale ETFs, automatischer Sparplan am Monatsanfang. Keine Ausnahmen, keine "diesen Monat mal nicht".

Schritt 5: Baue Puffer für Inflation ein

Das größte Problem ist nicht die Rendite, sondern die Inflation. Bei 2% jährlicher Inflation verlieren meine 154.000 Euro in 28 Jahren etwa 40% ihrer Kaufkraft. Real brauche ich dann 257.000 Euro.

Meine Lösung: Ich erhöhe den Sparplan jährlich um 2%. Aus 350 Euro werden im zweiten Jahr 357 Euro, im dritten 364 Euro. Das ist schmerzhaft, aber mathematisch notwendig.

Schritt 6: Plane staatliche Förderung mit ein – aber vorsichtig

Riester wird oft verteufelt, aber bei voller Zulage (175 Euro plus Kinderzulage) kann es sinnvoll sein. Ich zahle 1.800 Euro jährlich ein, bekomme 175 Euro Zulage. Das sind 9,7% garantierte Rendite auf diesen Teil.

Aber: Die Flexibilität fehlt komplett. Ich habe Riester zusätzlich zu meinem ETF-Sparplan, nicht als Ersatz. 70% meiner Altersvorsorge bleiben flexibel verfügbar.

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