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Risikomanagement

Ich habe 14 Versicherungen gekündigt: Was übrig blieb

Sarah Bergmann 4 Min Lesezeit

Mit 25 hatte ich 17 Versicherungen. Mit 35 sind es noch drei. Dazwischen lagen 12.000 Euro verschwendete Prämien und eine schmerzhafte Lernkurve. Hier dokumentiere ich, wie ich zur Minimalkonfiguration kam.

Schritt 1: Erfasse deine echten Risiken

Beginne mit der wichtigsten Frage: Welche finanziellen Schäden würden dich ruinieren? Nicht ärgern, nicht stören – ruinieren. Bei mir waren das drei Szenarien: Berufsunfähigkeit, schwerer Unfall mit Haftpflichtschaden, und Tod mit zurückbleibenden Angehörigen.

Alles andere – Handy kaputt, Zahnersatz, Rechtschutz – ist ärgerlich. Aber es bringt mich nicht in die Privatinsolvenz. Diese Unterscheidung hat mir 340 Euro monatlich gespart.

Schritt 2: Analysiere die mathematische Erwartung

Versicherungen sind Wetten. Die Versicherung wettet, dass dir nichts passiert. Du wettest dagegen. Aber die Versicherung kennt die Statistik besser und kalkuliert Gewinn ein.

Beispiel Handyversicherung: 8 Euro monatlich, 96 Euro jährlich. Schadenswahrscheinlichkeit laut Studien: 15% pro Jahr. Durchschnittlicher Schaden: 280 Euro. Erwartungswert: 42 Euro. Du zahlst 96 Euro für einen statistischen Schaden von 42 Euro. Über zehn Jahre verlierst du garantiert 540 Euro.

Schritt 3: Die drei unverzichtbaren Versicherungen

Privathaftpflicht: 85 Euro jährlich, Deckungssumme 50 Millionen. Ohne Diskussion notwendig. Ein einziger Verkehrsunfall mit Personenschaden kann dich lebenslang finanziell vernichten.

Berufsunfähigkeitsversicherung: 1.200 Euro jährlich für 1.500 Euro Monatsrente. Statistisch wird jeder Vierte vor Renteneintritt berufsunfähig. Das sind keine Marketing-Zahlen, das sind Rentendaten.

Risikolebensversicherung nur mit Kindern: 240 Euro jährlich für 250.000 Euro Summe. Ohne Angehörige sinnlos, mit Kindern existenziell.

Schritt 4: Was ich bewusst nicht versichere

Hausrat: Mein gesamter Hausrat ist etwa 15.000 Euro wert. Die Versicherung kostet 180 Euro jährlich. Nach 83 Jahren habe ich den Wert bezahlt – unrealistisch. Stattdessen habe ich einen separaten Topf mit 5.000 Euro für Notfälle.

Zahnzusatz: 35 Euro monatlich, 420 Euro jährlich. Selbst bei größeren Behandlungen komme ich mit Rücklagen günstiger. Nach 30 Jahren hätte ich 12.600 Euro bezahlt – damit kann ich drei komplette Implantate finanzieren.

Rechtschutz: 280 Euro jährlich. In 15 Jahren hatte ich zwei Fälle, Gesamtwert 1.800 Euro. Ich habe 4.200 Euro bezahlt. Die Rechnung ist eindeutig.

Schritt 5: Überprüfe jährlich mit harten Zahlen

Jeden Januar mache ich eine Excel-Tabelle: Gezahlte Prämien versus erhaltene Leistungen über die Laufzeit. Bei jeder Versicherung, die ein negatives Verhältnis über fünf Jahre zeigt, frage ich: Würde mich der Maximalschaden ruinieren?

Wenn nein: kündigen. Wenn ja: Selbstbehalt erhöhen, bis die Prämie akzeptabel wird.

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